Definition Terminologie (Quelle: Webseite Rat für Deutschsprachige Terminologie - RaDT, 2002)

 

Terminologie (Definition)

Terminologie als Instrument der präzisen fachlichen Verständigung ist in allen Bereichen der Informationsgesellschaft unentbehrlich. Unter Terminologie ist zu verstehen: Der Fachwortschatz eines bestimmten Fachgebietes, aber auch die Bearbeitung, zum Beispiel das Erfassen und Zugänglichmachen von Fachwortschätzen in mehrsprachigen Terminologie-Datenbanken oder Fachwörterbüchern, sowie die sprachwissenschaftliche Erforschung der Fachwortschätze und die Terminologielehre.

Beispiele für die Terminologiearbeit

Mit einem Skandal endete das Vierer-Bob-Rennen bei der Bob-Weltmeisterschaft 1997 in St. Moritz. Drei Schweizer Teams waren mit Bestzeiten ins Ziel gefahren - doch bei der anschließenden Siegerehrung blieben die ersten drei Plätze unbesetzt. Dem sportlichen Eklat lag ein terminologisches Problem zugrunde: Die Bobs der Schweizer Teams trugen Kufen, die nicht dem deutschsprachigen Regelwerk entsprachen. Die englische Übersetzung des ursprünglich in deutscher Sprache verfassten Textes enthielt technische Begriffe, die im internationalen Sprachgebrauch keine Verwendung finden.

Was die Schweizer Bobfahrer um ihre Medaillen brachte, ist ein weltweites Phänomen:
Immer mehr Fachbegriffe in unseren Sprachen bergen immer mehr Risiken zum Missverständnis. In Wissenschaft, Forschung und Technik, aber auch in den Bereichen des Alltagslebens, in Politik, Kultur und Sport vervielfacht sich das Wissen. Damit steigt auch die Zahl der Fachbegriffe ins Unermessliche. Der Austausch von Fachinformationen geht längst über Sprachbarrieren und geopolitische Grenzen hinweg. Die Fachkommunikation macht heute rund 80 Prozent der gesamten Informationen aus, die über die neuen Kommunikationswege der grenzenlosen und mehrsprachigen Informationsgesellschaft ausgetauscht werden. Die Terminologie, die Bearbeitung und das Zugänglichmachen von Fachwortschätzen wird immer wichtiger.

Begriffsverwirrung und Missverständnisse stellen auch ein Sicherheitsrisiko dar. Beim Flugverkehr beispielsweise sind alle Beteiligten - Passagiere, Flug- und Bodenpersonal, Zoll und Polizei, Mechaniker - auf eine störungsfreie Kommunikation angewiesen. Daher hat der Flughafen "Charles de Gaulles" in Paris einen speziellen Terminologieberater unter Vertrag. Seine Aufgabe ist es, die gesamten Fachbegriffe des Flughafens in einer mehrsprachigen Terminologiedatenbank systematisch zu erfassen, zu bereinigen und zu ergänzen. Auf dieser Basis werden alle neuen Dokumente - Arbeitsanweisungen für das Flughafenpersonal, Beschilderung für Passagiere, Hinweise für Wartungsmechaniker etc. - auf die Stimmigkeit und Eindeutigkeit der benutzten Fachvokabeln überprüft. Kein unwichtiger Aspekt auf einem großen Flughafen, wo Millionen Menschen miteinander kommunizieren.

Babylonisch war die Sprachverwirrung, als eine ganz neue Krankheit entdeckt wurde:
AIDS. Auf den ersten AIDS-Kongressen rangen hunderte von Fachleuten um Begriffsdefinitionen, um sich zu verständigen. Da die Kommunikation misslang, waren sich Ärzte, Gesundheitsdienste und Versicherungen in den ersten Jahren uneinig über die richtige Einschätzung der Gefährlichkeit von AIDS. Besser wurde es erst, als die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sich des Problems annahm. Sie schuf eine mehrsprachige autoritative AIDS-Terminologie.

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Kommunikation ohne Grenzen: die Herausforderung

Die weltweite Fachkommunikation hat wegen der rasanten technisch-wissenschaftlichen Entwicklung in den letzten Jahrzehnten um ein Vielfaches zugenommen und macht heute mehr als 80 Prozent der Informationen aus, die über die neuen Medien ausgetauscht werden.

- Internationalisierung, neue Informations- und Kommunikationstechnologien, Wissenszunahme – der Erfolg setzt effiziente Kommunikation voraus.
- Unternehmerische Stärke erwächst nicht zuletzt aus dem Beherrschen der Fachkommunikation.
- Fachkommunikation geschieht über Fachsprachen.

Kommunikationsprobleme entstehen nicht zuletzt wegen mangelnder Fachsprachenkenntnisse, und das auch zwischen Fachleuten der gleichen Sprache. Daraus entstehen Kosten, deren Umfang noch immer unterschätzt wird; sie multiplizieren sich, sobald eine Organisation mehrsprachig tätig ist.

Die Verwendung unklarer oder falscher Fachwörter hat Folgen:
- bei Besprechungen zwischen Mitarbeitern (z.B. Missverständnisse, Zeitverlust)
- in Sicherheitshinweisen und Gebrauchsanleitungen (z.B. Fehlgebrauch, Unfälle)
- in der Aus- und Weiterbildung (z.B. verminderte Lerneffizienz, Frustration)
- in Lagerverwaltung und Produktion (z.B. verlangsamte Produktzyklen)
- für Produktklassifikationen, Online-Kataloge, E-Commerce (z.B. erhöhter Suchaufwand, vergebliche Suche nach Produkten)
- für die Fachübersetzung und die Lokalisierung (z.B. schlechte Akzeptanz beim Anwender, erhöhter Zeitaufwand)
- bei Verträgen und Rechtsvorschriften (z.B. fehlende Rechtssicherheit, Auslegungsprobleme)

Gesetzes- und Vertragstexte, technische Normen und Produktdokumentation haben ihre eigene Fachsprache. Geschäftsleute, Redakteure, Übersetzer oder Web-Designer begegnen tagtäglich neuen Begriffen und müssen deren Bedeutung in Nachschlagewerken, Datenbanken oder in der Fachliteratur suchen – oft vergeblich.

Terminologie: Die Lösung

Überall, wo Fachwissen erarbeitet, dargestellt, vermittelt und angewendet wird, ist Terminologie unverzichtbar – ob im wirtschaftlich-industriellen Bereich, in Wissenschaft und Technik, in Politik und Verwaltung, in Informations- und Dokumentationseinrichtungen oder im Bildungswesen.

Terminologie ist
- der Fachwortschatz eines bestimmten Fachgebietes (Gesamtheit der Begriffe und ihre Benennungen = Termini, Fachwörter, Fachausdrücke), z.B. die Terminologie des Transportwesens, der Raumplanung oder des Weinbaus
- die Terminologiearbeit, d.h. das Erfassen, Beschreiben und Zugänglichmachen von Fachwortschätzen in Terminologiedatenbanken oder Fachwörterbüchern
- die Terminologielehre, d.h. die theoretische Grundlegung der terminologischen Arbeitsmethoden und die sprachwissenschaftliche Erforschung des Fachwortschatzes

Richtig eingesetzt, spart Terminologie Ressourcen, unterstützt den einheitlichen Auftritt eines Unternehmens (Corporate Identity) und vermeidet Verständigungsprobleme!

Bewährte Terminologiemethoden schaffen mit Hilfe moderner Technik (Sprach- und Wissenstechnologie) die Voraussetzung für transparente Fachkommunikation, effizientes Wissensmanagement, innovationsorientiertes Informationsmanagement, verbesserten Wissenstransfer, d.h. für die optimale Nutzung aller Wissenspotenziale in Unternehmen und Organisationen.

Ohne Terminologie keine zuverlässige Fachinformation

Terminologie ist überall da unentbehrlich, wo es um klare, eindeutige Fachinformation geht, oder wenn es gilt, Fachsprache in anwender- bzw. verbrauchergerechte Sprache umzusetzen, zum Beispiel bei
- technisch-wissenschaftlicher Information und Dokumentation
- Konstruktion und Produktion
- Einkauf und Lagerhaltung
- Marketing und Verkauf
- Normung und Übersetzung
- Öffentlichkeitsarbeit und Werbung
- Ausbildung und Forschung
- Recht und Verwaltung

Terminologie als wirtschaftlicher Faktor

Neue, gesteigerte Anforderungen an die terminologische Qualität wirtschaftlicher Information und Dokumentation haben die Terminologie zum Produktions- und Marketingfaktor und auch zum wirtschaftlichen Faktor hinsichtlich Qualität, Sicherheit und Rentabilität gemacht. Besonders deutlich spüren dies kleine und mittlere Unternehmen, zum Beispiel solche, die für die wirtschaftlich-industrielle Nutzung wissenschaftlicher oder technischer Entwicklungen gegründet werden. Sie haben, vor allem wenn sie sich im internationalen Wettbewerb behaupten wollen, die terminologischen Anforderungen der häufig mehrsprachigen Produkteinformation und -dokumentation zu erfüllen, was ihre finanziellen Möglichkeiten oft übersteigt.

Hier leistet Terminologie einen wichtigen Beitrag, indem sie
- Fachwortschätze mehrsprachig erfasst und verfügbar macht, wobei sie auch die internationalen Normen einbezieht;
- firmenspezifische Terminologien vielsprachig aufbaut und auf die fremdsprachigen Kundenländer und Geschäftspartner abstimmt (Lokalisierung);
- Zugang zu gedruckten und computergestützten mehrsprachigen Terminologiequellen verschafft;
- die Zeit für die Fachwortsuche bei der Übersetzung verkürzt und die terminologische Qualität übersetzter Texte sichert.

Terminologie = Quantität mit Qualität

Generell bringt die Terminologiearbeit zweifachen Nutzen:

- quantitativ, durch die Verminderung des Arbeitsaufwands für terminologische Recherchen in den Bereichen Redaktion, Übersetzung und Dokumentation und durch die Vermeidung von Kosten, z.B. für zusätzliche Abklärungen oder für Entschädigungen bei Haftung als Folgen fehlerhafter Information;
- qualitativ, durch die Sicherung der terminologischen Qualität von Fachtexten, z.B. rechtsverbindlicher Texte und ihrer Übersetzungen.