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Terminologiearbeit und Terminologierecherche

Lernvoraussetzungen:

  • Verständnis der allgemeinen Zusammenhänge in der Terminologielehre
  • Beherrschung der Grundbegriffe und Definitionen
  • Kenntnis der Geschichte der Terminologiearbeit
  • Überblick über die Abgrenzung von Begriff und Benennung
  • Beherrschung der Methoden zur Begriffsbestimmung und Definitionsbildung
  • Überblick über die Arten, Merkmale und graphische Darstellung von Begriffssystemen
  • Definition und Klassifizierung von terminologischen Datenkategorien
  • Überblick über die Eintragsstruktur und die Modellierung von terminologischen Einträgen
  • Verständnis der rechnergestützten Terminologieverwaltung und deren Werkzeuge und Prozesse

Lernziele der Kurseinheit:

  • Abgrenzung der Definition und Zielsetzung der Terminologiearbeit und der Normung
  • Überblick über Faktoren und Formen der Terminologiearbeit
  • Analyse der Datenbestandspflege und Qualitätssicherung
  • Methoden der Terminologie-Extraktion und Terminologierecherche
  • Überblick über die Anwendungsgebiete und Arbeitsbereiche der Terminologiearbeit

Definition

Terminologiearbeit: auf der Terminologielehre aufbauende Erarbeitung, Bearbeitung oder Verarbeitung, Darstellung oder Verbreitung von Terminologie (DIN 2342)

Terminologiearbeit umfasst auch die Extraktion von Terminologie aus Texten sowie die Einarbeitung von Terminologie in Texte und kann sich auf eine Sprache oder auf mehrere Sprachen, auf ein Fachgebiet oder auf mehrere Fachgebiete erstrecken.

Ziel der Terminologiearbeit ist es, die Terminologie einzelner Fachgebiete in einer oder mehreren Sprachen zu sammeln, zu prüfen und bereitzustellen. Existierende Fachwörter werden aufgezeichnet, neue bei Bedarf festgelegt.

Die Ergebnisse dieser Arbeit werden Nutzern in terminologischen Datenbanken, Fachwortlisten, Glossaren und Fachwörterbüchern zur Verfügung gestellt.

Faktoren der Terminologiearbeit

Zu den Faktoren, die die Terminologiearbeit bestimmen, zählen folgende Aspekte:

Wirtschaftliche Faktoren führen oft zu einer von den Grundsätzen abweichenden Kompromisslösung.

Formen der Teminologiearbeit

Wir unterscheiden folgende Formen der Terminologiearbeit:

Im Nachfolgenden gehen wir auf die punktuelle – systematische und deskriptive – präskriptive/normende Terminologiearbeit im Einzelnen ein.

Punktuelle – systematische (textbezogene/fachgebietsbezogene) Terminologiearbeit

Die punktuelle Terminologiearbeit dient zur Lösung eines aktuellen terminologischen Problems. Meist handelt es sich um die Klärung von Benennungen, Neologismen oder fachsprachlichen Wendungen, die (noch) nicht in Wörterbüchern enthalten sind, oder es werden Äquivalente gesucht bzw. ungesicherte Äquivalente von Benennungen überprüft.

Die punktuelle Terminologiearbeit geschieht meist unter Zeitdruck und mit einem relativ hohen Aufwand und erzielt nicht immer zufriedenstellende Resultate. Es besteht ein relativ hohes Fehlerrisiko.

Systematische, textbezogene Untersuchung stellt eine vorbereitende terminologische Untersuchung bei der Übersetzung umfangreicher Fachtexte dar. Der Text sollte sich auf ein einheitliches Fachgebiet konzentrieren, damit eine mehrfache punktuelle Untersuchung vermieden wird. Sind mehrere Texte eines Fachgebiets zu erwarten, sollte man sich eventuell für eine sachgebietsbezogene Terminologiearbeit entscheiden.

Sachgebietsbezogene Untersuchung ist eine terminologische Untersuchung aller relevanten Begriffe eines gesamten Sachgebiets einschließlich der Darstellung der Beziehungen der Begriffe untereinander.

Im Vergleich zur punktuellen Terminologiearbeit werden in sachbezogenen Untersuchungen auch Nachbarbegriffe bearbeitet, die Arbeitsvorbereitung und Einarbeitung fallen nur einmal an, Quellen werden rationell genutzt und Sachgebietsexperten rationell eingesetzt. Es entsteht eine umfassende und vollständige Terminologiesammlung eines Gebiets.

Deskriptive – präskriptive/normende Terminologiearbeit

Die Organisation von deskriptiven und präskriptiven/normenden Terminologieprojekten können wir in folgende Arbeitsschritte unterteilen:

Die beschriebenen Arbeitsschritte gelten sowohl für die deskriptive (beschreibende) wie auch für die präskriptive (normende) Terminologiearbeit. Während bei der deskriptiven Terminologiearbeit der (derzeitige) Gebrauch von Benennungen, Definitionen und Begriffen festgehalten wird, legt die normende Terminologiearbeit Benennungen und Definitionen fest. Die deskriptive Untersuchung kann auch als eine notwendige Vorstufe der präskriptiven Terminologiearbeit gesehen werden.

Normende Terminologiearbeit kann auch in Unternehmen erfolgen, um die firmeneigene Terminologie (Corporate Language) festzulegen. Von Terminologienormung spricht man, wenn präskriptive Terminologiearbeit von Normungsgremien oder vergleichbaren Institutionen durchgeführt wird.

Definitionen – Normung

Terminologienormung, terminologische Normung: Normung von Begriffen und ihren Benennungen sowie von Begriffssystemen durch autorisierte und dafür fachlich, sprachlich und methodisch qualifizierte Gremien mit dem Ziel, terminologische Festlegungen in Normen zu schaffen (DIN 2342)

Terminologieplanung: Maßnahmen, die darauf abzielen, die Terminologie eines Fachgebietes zu entwickeln, zu verbessern, umzusetzen und zu verbreiten (DIN 2342)

Terminologische Festlegung: verbindliches Vereinbaren von Begriffen und ihren Benennungen sowie das Ergebnis dieses Prozesses (DIN 2342)

Terminologische Grundsatznormung: Normung von Grundsätzen und Richtlinien für die Terminologiearbeit (DIN 2342)

Datenbestandspflege und Qualitätssicherung

Terminologiesammlungen, die inhaltlich nicht gepflegt werden, veralten und werden lücken- und fehlerhaft (bzgl. des betreffenden Fachgebiets und der Begriffe). Neben der inhaltlichen ist aber auch die formale Pflege des Datenbestands notwendig, damit die Terminologiesammlung ihren Zweck erfüllt und genutzt wird. Die formale Pflege wird auch als Datenvalidierung bezeichnet.

Datenvalidierung: Prozess zur Bestimmung, ob Daten formal richtig, kohärent, korrekt, vollständig und plausibel sind (DIN 2342)

Datenvalidierung wird in den folgenden Schritten durchgeführt:

Terminologierecherche

Die Recherche nach terminologischen Informationen ist einer der wichtigsten Schritte bei der Terminologiearbeit. Auch wenn man sich je nach Art der Terminologiearbeit auf unterschiedliche Informationen konzentriert, so benötigt man im Prinzip das vollständige Wissen über Benennungen und Begriffe im Fachgebiet (siehe Terminologischer Eintrag und Datenkategorien). Entscheidend für die Qualität der Rechercheergebnisse ist die Qualität der benutzten Quellen.

Quellen für die Terminologierecherche

Dazu gehören:

Wörterbücher und Fachtexte von Einzelautoren sind oft vom Fachwissen und Interesse des Autors geprägt. Hingegen beruhen Wörterbücher von Fachkommissionen oder Berufsorganisationen meist auf der Konsultation von mehreren Fachleuten. Terminologienormen sind sehr zuverlässige Quellen, allerdings nicht in allen Gebieten verfügbar und nicht immer aktuell.

Allgemeine Regeln

Terminologierecherche im Internet

Es stehen folgende Medien zur Verfügung:

Texte in Form von HTML-Seiten (z. B. Produktbeschreibungen) und in Textdatenbanken (z. B. CORDIS) können zum Verständnis von Begriffen, zur Verwendung von Benennungen, zur Erforschung von Grammatik, Sprachebene, Sprachregion, Normungsstatus und Kunden- oder Produkt-Spezifik verwendet werden.

Abbildungen (Multimediaobjekte) auf HTML-Seiten (z. B. Produktbeschreibungen) und in Graphiksammlungen (z. B. mit Google) helfen beim Verständnis von Begriffen und bei der Dokumentation von Begriffen (in TVS).

Terminologiebestände auf HTML-Seiten (z. B. Glossare, Worttabellen) und in ein-, zwei- oder mehrsprachigen webbasierten Datenbanken (z. B. Eurodicautom) sind behilflich beim Verständnis von Begriffen, beim Finden von (zielsprachlichen) Äquivalenten und bei der Dokumentation von Begriffen und Benennungen (in TVS).

Sekundäre Informationen, z. B. Literatur (theoretische Bücher, Wörterbücher, Normen usw.), Fachorganisationen, Experten, Hochschulen, Werkzeuge sowie Texte zur Aus- und Weiterbildung und Veröffentlichungen von Kongressen usw. (auf HTML-Seiten und in Datenbanken) unterstützen die weitere Recherche, die Weiterbildung und die Verbesserung der Methoden und Werkzeuge.

Allgemeine Informationen können über das Institut für Translationswissenschaft der Universität Innsbruck sowie über Search Engine Watch bezogen werden.

Suchmaschinen und Verzeichnisse bieten weitere Recherchemöglichkeiten. Einige der wichtigsten sind:

Portale helfen ebenfalls bei der Recherche:

Direkter URL-Zugang durch die Eingabe der URL-Adresse oder durch eine Suchmaschine ist auch möglich.

Kontrollpunkt

Erforschen Sie die Möglichkeiten zur Terminologierecherche im Internet. Listen Sie die Vor- und Nachteile der oben genannten Medien auf.

Qualitätskriterien im Internet

Die Qualität im Internet kann anhand der CARS-Kriterien beurteilt werden:

Quelle: Harris, Robert: A Guidebook to the Web. Guildford CT, 2000 (Dushkin/McGraw-Hill).

Terminologie-Extraktion

Um die Erarbeitung von Terminologie zur ermöglichen, werden Werkzeuge zur einsprachigen bzw. zweisprachigen Terminologie-Extraktion benötigt.

Für die einsprachige Extraktion werden Fachtexte in elektronischer Form und für die zweisprachige Extraktion segmentierte und alignierte zweisprachige Paralleltexte in elektronischer Form benötigt.

Bei der einsprachigen Terminologie-Extraktion werden die Grundformen zugeordnet. Funktionswörter und allgemeinsprachlicher Wortschatz sowie Benennungen, die bereits in der Terminologiedatenbank enthalten sind, werden ausgefiltert. Mehrwortbenennungen, fachsprachliche Wendungen und diskontinuierlichen Elemente werden erkannt.

Bei der zweisprachigen Terminologie-Extraktion kommt zu den Verfahren und Problemen der einsprachigen Terminologie-Extraktion die Identifikation des zielsprachlichen Äquivalent-Kandidaten hinzu unter Berücksichtigung der kontextuell begründeten Variation des zielsprachlichen Äquivalents.

Die Ergebnisse der Terminologie-Extraktion dienen der gezielten Erarbeitung von terminologischen Einträgen als Vorbereitung größerer Übersetzungsprojekte oder zur initialen Terminologiedatenbankfüllung. Die Terminologiekandidaten (und bei der zweisprachigen Terminologie-Extraktion die Äquivalente) werden aufgelistet und überprüft.

Kontrollpunkt

Analysieren Sie die möglichen Probleme, die in einer zweisprachigen Terminologie-Extraktion vorkommen können.

Anwendungsbereiche der Terminologiearbeit

Terminologiearbeit wird in den folgenden Arbeitsfeldern eingesetzt:

In der Normung haben terminologische Aktivitäten eine lange Tradition. Die Grundsatznormung ist DIN/NAT und ISO/TC37 (neu: SC4: Language Resources). In den einzelnen technischen Ausschüssen (national, europäisch, international) findet terminologische Einzelnormung statt. DIN hatte dabei eine Vorreiterrolle bei EDV-Lösungen für die Terminologieverwaltung: TEAM, DIN-Term, MultiTerm, CD-ROM, Inesterm-Projekt usw.

In der Verwaltung waren große Sprachendienste wie z. B. Bundessprachenamt (D), Bundeskanzlei (CH), Auswärtiges Amt (D), Ministerien, europäische Behörden und KÜDES die Vorreiter auf diesem Gebiet. Die Aktivitäten blieben jedoch meist intern. Eine moderne (webbasierte) Lösung finden wir bei der EU (IATE) und der schweizerischen Bundeskanzlei.

In der Wirtschaft wird firmenspezifisches Terminologiemanagement immer wichtiger durch Outsourcing von Übersetzungsleistung. Oft ist jedoch eine Argumentation für den Nutzen der Terminologie notwendig. Der elektronische Handel und das elektronische Beschaffungswesen erfordern den Einsatz von terminologischen Methoden und Werkzeugen. Es bestehen neue Anwendungsbereiche wie z. B. die elektronische Warenklassifikation.

Zur (Fach-)Wörterbuchproduktion werden meist lexikographische Methoden und eine spezifische Konzeption von Terminologiesystemen für die Fachwörterbuchproduktion eingesetzt, z. B. bei CATS und Electronic Publishing Partners (Arcolada).

Im Übersetzungswesen (in Sprachendiensten, Übersetzungsbüros und bei EinzelübersetzerInnen) wird professionelle Terminologiearbeit eingesetzt. Dazu gibt es eine Vielzahl an Terminologiewerkzeugen.

Die Dolmetscherbranche wurde in diesem Bereich vernachlässigt. Hier findet Terminologiearbeit oft nur im Rahmen der Vorbereitung auf einen Dolmetscheinsatz statt.

In der Lokalisierung finden Übersetzungs- und Terminologiewerkzeuge zunehmend Einsatz. In dieser Hinsicht besteht eine extreme Notwendigkeit an einer konsistenten Terminologie(verwaltung) mit Einbezug in den gesamten Prozess. Auch für die technische Redaktion (als Teil des Lokalisierungsprozesses) sind professionelle Methoden der Terminologiearbeit notwendig.

Terminologieaustausch

Eine wichtige Rolle beim Terminologieaustausch spielen

Beim Terminologieaustausch können dennoch folgende Probleme auftreten:

Nach derzeitigem Stand sind folgende Austauschnormen vorhanden:

Kontrollpunkt

Recherchieren Sie im Internet nach den Austauschnormen in der Terminologiearbeit (MARTIF, DatCats, TMF und LISA).


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Copyright © 2006 FH Köln (Prof. Dr. Klaus-Dirk Schmitz / Dipl.-Übers. (FH) Sonia Kaukonen)