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Begriffsbestimmung und Definition

Lernvoraussetzungen:

  • Verständnis der allgemeinen Zusammenhänge in der Terminologielehre
  • Beherrschung der Grundbegriffe und Definitionen
  • Kenntnis der Geschichte der Terminologiearbeit
  • Überblick über die Abgrenzung von Begriff und Benennung

Lernziele der Kurseinheit:

  • Überblick über die Begriffsbestimmung durch Inhalt und Umfang
  • Klassifizierung von Definitionsarten
  • Identifizierung der fehlerhaften Definitionen
  • Merkmale einer guten Definition

Einen Begriff kann man auf zwei Arten bestimmen; zum einen durch seinen Inhalt, zum anderen durch seinen Umfang.

Definitionen

Begriffsinhalt (Intension)

Gesamtheit aller Merkmale, die eine gedankliche Zusammenfassung von individuellen Gegenständen und die gegenseitige Abgrenzung der Begriffe ermöglicht (DIN 2330)

Gesamtheit der Merkmale eines Begriffes (DIN 2342)

Beispiel: Glühlampe

Begriffsumfang (Extension)

Gesamtheit aller individuellen Gegenstände, die sämtliche Merkmale dieses Begriffes haben (DIN 2330)

Gesamtheit der einem Begriff auf derselben Hierarchiestufe untergeordneten Begriffe (DIN 2342)

Beispiel: Fahrzeug (Wasserfahrzeug, Luftfahrzeug, Landfahrzeug)

Es ist zwischen dem Begriffsumfang und der Gesamtheit der Unterbegriffe auf allen Hierarchiestufen zu unterscheiden.

Begriffsverknüpfung

Sobald ein neuer Gegenstand entdeckt oder erfunden wird, entsteht ein neuer Begriff, der hinsichtlich seines Inhalts oder Umfangs beschrieben werden kann.

Häufig entstehen aber neue Begriffe durch Weiterentwicklung und Verknüpfung bereits existierender Begriffe und sind daher diesen ähnlich oder mit ihnen verwandt. (Arntz/Picht/Mayer)

Kontrollpunkt

Erläutern Sie den Unterschied zwischen Begriffsinhalt und Begriffsumfang.

Begriffsdefinition und Definitionsarten

Definitionen dienen dazu, einen möglichst eindeutigen Zusammenhang zwischen Begriff und Benennung herzustellen. Sie grenzen einen Begriff ab, indem er zu anderen in Beziehung gesetzt wird. (DIN 2330)

Eine Definition ist eine Begriffsbestimmung mit sprachlichen Mitteln (DIN 2342)

Für die Terminologielehre und Terminologiearbeit sind Definitionen besonders wichtig: Begriffe stehen im Mittelpunkt und müssen mit sprachlichen Mitteln beschrieben bzw. eingegrenzt werden.

Gleichung zwischen Definiendum (was wird definiert) und Definiens (wie wird etwas definiert).

Definiendum: durch eine Benennung ausgedrückter Begriff

Definiens: Inhaltsbeschreibung des Begriffs

Dazwischen steht „ist ein“ oder „:“ oder „=“

Zu den häufigsten Definitionsarten zählen:

Inhaltsdefinition (intensionale Definition)

Definition, die von dem Oberbegriff ausgeht und die einschränkenden Merkmale angibt, die den zu definierenden Begriff von anderen Begriffen der selben Abstraktionsstufe unterscheiden (DIN 2342)

Es werden Merkmale genannt, die den Begriff kennzeichnen. Häufig werden ausgehend von dem Oberbegriff die zusätzlichen charakteristischen Merkmale aufgeführt.

Benennung = Oberbegriff + einschränkende Merkmale

Beispiele:

„Eine Glühlampe ist eine Lampe, bei der feste Stoffe durch elektrischen Strom so hoch erhitzt werden, dass sie Licht aussenden.“

„Die akute Appendizitis ist eine bakterielle Entzündung, die in der Schleimhaut des Wurmfortsatzes beginnt und sich ungezügelt bis zur Serosa fortsetzt.“

Umfangsdefinition (extensionale Definition)

Definition, bei der alle Unterbegriffe eines Begriffes aufgezählt werden, die innerhalb des betreffenden Begriffssystems auf derselben Abstraktionsstufe stehen. (DIN 2342)

Es werden alle unter einen Begriff fallenden Unterbegriffe angegeben.

Beispiel: Bezeichnungen sind Benennungen, Ideogramme, Nummern und Notationen.

Bestandsdefinition

Definition, bei der alle Teilbegriffe eines Begriffes aufgezählt werden (DIN 2342)

Es werden alle unter einen Begriff fallenden Gegenstände angegeben.

Beispiele:

„Die Planeten des Sonnensystems sind Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun.“

Sonderfall: Angabe einer Regel (Wandel zur Inhaltsdefinition)

„Primzahlen erkennt man daran, daß sie außer durch eins und sich selbst durch keine andere Zahl teilbar sind.“

Darüberhinaus unterscheiden wir folgende Definitionsarten:

Kontextdefinition

Ein nicht ganz sinnloser Satz, der die Benennung enthält und etwas über den Begriff aussagt.

Nominaldefinition

z. B. „Opazität = Lichtundurchlässigkeit“

Kontrollpunkt

Nennen und erläutern Sie die wichtigsten und gebäuchlichsten Definitionsarten.

Fehlerhafte Definitionen

Bei der Definitionenbildung sollten folgende fehlerhafte Definitionen vermieden werden:

Zirkeldefinition

Beispiele:

„Textilien sind Produkte der Textilindustrie.“ Besser: „Textilien sind gewebte, gestrickte oder gewirkte, aus Faserstoff hergestellte Waren.“

„Eine ISO-Norm ist eine Norm, die von der ISO erarbeitet und herausgegeben wird.“ Besser: „ISO ist eine Organisation, die Normen erarbeitet und herausgibt.“

Zu enge Definition

Beispiel: „Medizinflaschen sind Flaschen, die aus Glas hergestellt sind und zur Aufbewahrung von vorwiegend flüssigen Medikamenten bestimmt sind.“

Zu weite Definition

Beispiel: „Kupfer ist ein chemisches Element, das zur Gruppe der Metalle gehört.“

Unvollständige Definition

Beispiel: „Eine Schraube ist ein Verbindungselement.“

Negative Definition

Beispiel: „Ein Anhänger ist ein Fahrzeug ohne eigenen Antrieb.“

Negative Definitionen dürfen nur bei „negativen Begriffen“ verwendet werden, z. B. „undeklinierbares Wort – kein Endungswechsel“.

Anforderungen an Definitionen

Definitionen sollen folgende Eigenschaften besitzen:

Bei Erstellung von Definitionen sollte Folgendes beachtet werden:

Für die Normung gelten zusätzliche Regeln für das Schreiben von Definitionen:

Beispiel:

Begriffsharmonisierung (Begriffsangleichung): Maßnahmen, die darauf abzielen, Unterschiede zwischen ähnlichen Begriffen zu verringern oder zu beseitigen

Kontrollpunkt

Zählen Sie die für die Normung geltenden zusätzlichen Regeln für das Schreiben von Definitionen auf.

Begriffserläuterungen

Beim Fehlen einer Definition oder zur Ergänzung einer Definition können Begriffserläuterungen behilflich sein. Begriffserläuterungen müssen nicht den formalen Anforderungen an Definitionen genügen, führen meist aber wichtige Merkmale des Begriffes auf.

Beispiel:

„Der Keilriemen ist Teil der Kraftübertragung bei Antriebsmaschinen.“


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Copyright © 2006 FH Köln (Prof. Dr. Klaus-Dirk Schmitz / Dipl.-Übers. (FH) Sonia Kaukonen)